Das sagen Minijobberinnen

„Wenn man einen Berufsabschluss hat, wird der Minijob gefährlich“

„Wann gehst du mal richtig arbeiten?“ Diese Frage höre ich oft in meinem Umfeld, seit ich mit dem Studium fertig bin und im Minijob arbeite. Nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau und einigen Berufsjahren im Ausland habe ich Ökolandbau und Vermarktung studiert. Dass ich jetzt im Minijob arbeite, hat viel mit der Jobsituation in meiner Branche zu tun. Im Ökolandbau gibt es in unserer Region wenig qualifizierte Stellen. Im Moment arbeite ich für einen Bio-Hof und mache da den Direktvertrieb.
Ich hätte mit meinem Mann nach Baden-Württemberg gehen können, aber letztlich haben wir uns dafür entschieden im Münsterland zu bleiben, weil er hier eine gute Stelle hat. Den Minijob hatte ich eigentlich als Überbrückung gesehen, muss aber feststellen, dass mir der Ausstieg nicht gelingt. Ich will gern in der Branche bleiben und auf keinen Fall meine Qualifikation verlieren. Daher versuche ich jetzt, bei meinem Arbeitgeber einen neuen Bereich auf- und auszubauen, mit dem ich mir dann auch meine eigene Stelle schaffen kann.
Die fehlende gesellschaftliche Anerkennung als Minijobberin macht mir schon zu schaffen. Meine Einschätzung: Der Minijob kann während des Studiums eine gute Möglichkeit sein, etwas dazu zu verdienen. Aber wenn man einen Berufsabschluss hat, dann wird er gefährlich. Wer einmal den Fuß raus hat, findet schwer wieder zurück.

Anne, 31, Bürokauffrau und B.Sc. Ökolandbau und Vermarktung (FH)

„Man wir immer ärmer, trotz Arbeit“

Ich bin ausgebildete Erzieherin, habe zwei Kinder und bin alleinerziehend. Meine älteste Tochter, die ich schon während der Ausbildung bekommen habe, ist inzwischen zu Hause ausgezogen, mein Sohn ist zwölf und lebt bei mir und meinem neuen Partner. Seit Abschluss meiner Ausbildung hatte ich eigentlich immer Minijobs. Ich bin gerne Mutter und ich will arbeiten, aber beides muss für mich vereinbar sein.
Als die Kinder kleiner waren, habe ich als Tagesmutter gearbeitet. Mit den neuen Regelungen und den gestiegenen Kosten für Versicherung und Steuern, lohnte sich das für mich gar nicht mehr. Ich brauche als Erzieherin keinen kostenpflichtigen Kurs zur Tagesmutter und ich will nicht für 3 Euro in der Stunde arbeiten.
Jetzt habe ich zwei Minijobs, mit denen ich zusammen 320 Euro verdiene. Ich mache für eine Praxis die Wäsche und reinige in einem Gartenbaubetrieb. Mit dem Unterhalt von meinem Ex-Mann und dem Kindergeld reicht es nicht zum Leben, ich bekomme außerdem Arbeitslosengeld II. Seit einem Jahr suche ich eine 30-Stunden-Stelle. Da überall berichtet wird, dass Erzieherinnen gesucht werden, war ich sehr zuversichtlich, schnell eine Stelle zu bekommen. Bislang ohne Erfolg. Wenn ich Stellenangebote von der Agentur bekomme, sind auch das wieder Minijobs, das hilft mir nicht weiter. Das Zertifikat für die U3-Betreuung würde ich gern machen, aber das ist erst möglich, wenn ich eine Stelle habe.
Als Minijobberin bekomme ich keine Anerkennung. Ich will nicht mehr vom Amt abhängig sein und will etwas für meine Rente tun. Aber von dem wenigen Geld, das ich verdiene, noch etwas abzuzweigen, ist schwer. Mein Eindruck ist: Man wird immer ärmer, trotz Arbeit.

Gabi, 41, Erzieherin

„Mit meinem Minijob allein schaffe ich es nicht …“

Als ich mein erstes Kind bekam, bin ich aus dem Beruf ausgestiegen. Nach drei Jahren wurde meine zweite Tochter geboren und auch hier habe ich mich für drei Jahre Elternzeit entschieden. Ich hatte, als ich mit 39 Mutter wurde, 20 Jahre lang in meinem Beruf gearbeitet. Da war ich zunächst froh, eine Pause machen zu können.
Ich habe es genossen, mich ganz auf die Familie zu konzentrieren. Als ich mich nach sechs Jahren Familienzeit entscheiden musste, ob ich zurück in den Beruf gehe, hatte sich bei meinem Arbeitgeber viel verändert. Viele Stellen waren abgebaut worden, alle Abläufe auf EDV umgestellt. Ich hatte zwar Anspruch auf eine Teilzeitstelle, die wurde mir aber in einer weit entfernten Filiale angeboten. Da hätte ich täglich zwei Stunden pendeln müssen. Inzwischen hatten wir ein Haus gebaut, mein Mann hatte eine volle Stelle und so war ich mit meiner Familie räumlich gebunden. Also habe ich das Angebot der Bank angenommen, den Vertrag aufgelöst und eine Abfindung akzeptiert.
Zu dem Zeitpunkt war ich noch zuversichtlich, dass ich woanders eine Stelle finden würde. Ich habe über die Arbeitsagentur verschiedene Kurse besucht und mein Computerwissen aufgefrischt. Aber alle Bewerbungen blieben bislang ohne Erfolg. Ich wollte fachlich in meinem Bereich bleiben, also habe ich irgendwann einen Minijob in der Verwaltung eines Vereins angenommen. Dort arbeite ich jetzt seit vier Jahren. Vor zwei Jahren wurde mein Mann schwer krank. Er arbeitet inzwischen nur noch wenige Stunden in der Woche. Jetzt wird es finanziell eng. Mit meinem Minijob allein schaffen wir es nicht.

Sylvia, 50, Bankkauffrau

„Der Minijob ist für mich ein guter Wiedereinstieg“

Ich bin ausgebildete Krankenschwester, meine Kinder sind fünf und zwei Jahre alt und vormittags im Kindergarten. Mein Mann ist Vollzeit berufstätig und pendelt zu seiner Arbeitsstelle. Mutter zu sein, war für mich in den vergangenen Jahren ein Fulltimejob. Als das Elterngeld auslief, habe ich mir die Frage gestellt, wie es weitergehen kann.
Bevor ich Mutter wurde, hatte ich eine Vollzeitstelle in einem Dialysezentrum, einen Vertrag über Wochenend- oder Nachtdienste konnte ich hier nicht bekommen. Also habe ich mich an anderen Krankenhäusern um einen Minijob beworben und arbeite jetzt an einem Wochenende im Monat.
Der Nachtdienst kommt für mich nicht mehr in Frage. Als meine Älteste eineinhalb Jahre alt war, habe ich die Nachtwache ausprobiert und eineinhalb Jahre lang mit viel zu wenig Schlaf und dem Gefühl, weder der Familie noch dem Beruf wirklich gerecht zu werden, gekämpft.
Die Schichtdienste im Krankenhaus mit wechselnden Früh- und Spätschichten bieten einfach keine sehr familien- und betreuungsfreundlichen Arbeitszeiten. Der Minijob ist für mich ein guter Wiedereinstieg in den Beruf. Ich bin froh, dass ich das nach Jahren beruflicher Pause noch so gut kann. Es ist schön, wieder mit Erwachsenen zu arbeiten und eine gute Erfahrung, Dinge auch einmal zu Ende bringen zu können. Ich habe hier die Option, meine Arbeitszeit aufzustocken. Aber Krankenschwester in Vollzeit, das möchte ich nicht mehr unbedingt.
So lange mein Mann eine gute Arbeit hat, ist die Lösung für uns alle ideal. Ich möchte für meine Kinder da sein und mich nicht zerreißen müssen.

Anita, 36, Krankenschwester