Positionen

Minijobs sind nur auf den ersten Blick eine gute Alternative …

  • Minijobs wachsen nicht mit – nicht mit den Bedürfnissen der Betriebe und nicht mit den Veränderungen im Leben der Minijobber/innen.
  • Minijobs dequalifizieren statt berufliche Perspektiven zu eröffnen.
  • Minijobs locken durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben. Genau das verhindert, dass Arbeitszeiten ausgeweitet werden.
  • Bei gleichem Stundenlohn sind Minijobs für Arbeitgeber teurer als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Wir brauchen neue Ideen und Modelle für die kleinen Jobs

  • Damit Menschen nicht mehr in Minijobs kleben bleiben.
  • Damit Unternehmen flexibel auf unterschiedliche Anforderungen im Betrieb reagieren können.
  • Damit es keine unnötigen Hürden gibt, wenn Menschen mehr arbeiten wollen und Betriebe mehr Arbeit haben.
  • Damit qualifizierende und qualifizierte Arbeit auch für Wiedereinsteigerinnen möglich ist.
  • Damit Familien- und Erwerbsarbeit wirklich zwischen Männern und Frauen geteilt werden kann.
  • Damit weibliche Fachkräfte noch mehr auf dem Arbeitsmarkt ankommen und die Wirtschaft ihr Potenzial nutzen kann.
Minijobs versprechen mehr als sie möglich machen. Viele Frauen steigen nach der Familienzeit mit Minijobs wieder ein. Der Vorteil: Geringes Arbeitsvolumen und keine Steuerabgaben. Aber: Selten kommen sie da so schnell wieder raus.

  • Minijobs sind unflexibel. Wer die 450-Euro-Grenze überschreitet, wird steuerpflichtig und spürt das im Portemonnaie. Wenig Anreiz also, die Arbeitszeit – und den Bruttoverdienst aufzustocken. So bleiben viele Leute – und vor allem Frauen – im Minijob kleben.
  • Minijobs machen arm. Wer jahrelang im Minijob arbeitet erwirbt minimale Rentenansprüche. Ein Jahr im Minijob schafft einen zusätzlichen Rentenanspruch von ca. 4 Euro. Zum Vergleich: Eine 30-jährige alleinerziehende Frau mit zwei Kindern erwirbt nach 37 Arbeitsjahren einen Rentenanspruch von ca. 765 Euro, wenn sie 1.900 Euro brutto verdient (35 Std./Woche). Im Minjob (12 Std./Woche), für den sie 350 Euro bekommt, hat sie nach 37 Jahren eine Rente von ca. 140 Euro.
  • Minijobs dequalifizieren. Minijobs sind in der Regel Aushilfsjobs. Wer lange im Minijob bleibt, verliert den Anschluss an qualifizierte Tätigkeiten im eigenen Beruf und erwirbt selten gute Referenzen.
  • Minijobs machen unflexibel. Minijobs wachsen nicht mit – nicht mit den Bedürfnissen der Betriebe und nicht mit den Veränderungen im Leben der Minijobber/innen. Immer mehr Arbeitgeber würden ihre Mitarbeiterinnen gerne stärker an den Betrieb binden und ihre Arbeitszeit aufstocken. So lange eine Mitarbeiterin im „Aushilfsstatus“ ist, bleibt sie innerlich „auf dem Sprung“. Das Angebot, die Arbeitszeit auszuweiten, lehnen viele Frauen mit dem Verweis auf die hohen Steuerabzüge ab.
  • Minijobberinnen scheitern am Steuersystem. Minijobs locken durch die Befreiung von Steuern und Sozialabgaben. Genau das verhindert, dass Arbeitszeiten ausgeweitet werden. Warum aber sollte jemand freiwillig auf das Steuersparmodell Minijobs verzichten? Solange Ehegattensplitting und die Steuerklasse V in der jetzigen Form bestehen, bleibt die Hürde, aus dem Minijob auszusteigen, hoch.
Minijobs sind weiblich. Es sind überwiegend Frauen, die sich in bestimmten Situationen ihrer Erwerbs- und Lebensbiografie für Minijobs entscheiden,

  • weil sie Aufgaben in der Familie (Kinder/Pflege) wahrnehmen (wollen oder müssen) und glauben, dass sich dies am besten mit einem Minijob vereinbaren lässt.
  • weil sie Arbeitsbedingungen suchen, die zeitlich flexibel sind, und Arbeitgeber reguläre Arbeitsverhältnisse nicht flexibel genug gestalten.
  • weil sie sich für eine traditionelle Rollenverteilung in ihrer Familie entschieden haben und zunächst nur ein Zusatzeinkommen suchen. 84 Prozent aller Minijobberinnen sind verheiratet.
Arbeitgeber/innen profitieren von Minijobs, weil …

  • sie den Steuer- und Abgabevorteil der Minijobs bei der Festsetzung der Löhne zu ihren Gunsten nutzen können. („Sie zahlen doch keine Abgaben, da kann der Stundenlohn ja geringer sein …“)
  • sie Personal flexibel und kurzfristig im Sinne ihrer Kunden einsetzen können. Dies nutzen Handel und Gastronomie. Dort sind bereits 40 % der Beschäftigten geringfügig beschäftigt.
  • gerade kleine und mittlere Betriebe den geringen administrativen Aufwand schätzen.
  • es eine faktische Ersparnis gibt, wenn geringfügig Beschäftigte ihre Arbeitnehmerrechte nicht wahrnehmen.

Beschäftigte profitieren von Minijobs, weil …

  • vom Lohn weder Steuern noch Sozialabgaben abgezogen werden – „brutto für netto“.
  • Minijobs auch als Nebenverdienst zum Haupteinkommen – dem eigenen oder dem des Partners – steuerfrei bleiben.
  • verheiratete Frauen in der Steuerklasse V bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen unverhältnismäßig hohe Abzüge haben.
  • Arbeitsstunden flexibel an die persönlichen und familiären Bedingungen angepasst werden können.
Noch immer suchen viele Unternehmen „Aushilfen auf 450-Euro-Basis“. Vor allem im Einzelhandel und in der Gastronomie sind 40 % der Beschäftigten Minijobber. Aber: Immer mehr Unternehmen wollen weg vom unflexiblen Minijob,

  • weil sie Beschäftigte an ihr Unternehmen binden wollen – und das braucht Zeit.
  • weil die Arbeit mit Aushilfen ein aufwändiges Geschäft ist, da ungelernte Kräfte immer wieder neu angelernt und eingearbeitet werden müssen
  • weil die pauschale Steuer- und Abgabenlast mit 30 % bei den Minijobs höher ist als bei sozialversicherungspflichtigen Jobs
So lange für Minijobs von den Beschäftigten keine Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden müssen, bleiben sie attraktiv. Damit bleibt die Hürde, in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln, hoch. Wer für 12 Stunden 450 Euro im Minijob bekommt, hat in der Steuerklasse V mit 20 Stunden netto nicht viel mehr im Portemonnaie. Der Minijob wird daher auch als „Steueroase der kleinen Leute“ bezeichnet.

Der Minijob-Anreiz ist zugleich eng gekoppelt an das Ehegattensplitting und das System der Steuerklassen. Würde eine Frau mit einem Verdienst von 800 Euro individuell besteuert, würde sie durch Freibeträge keine Steuern zahlen. Erst durch die Zusammenfassung mit dem Einkommen des Partners und die ungünstige Steuerklasse V hat sie so enorme Abzüge – und der Partner ein Argument, seiner Frau zur Steuerersparnis einen Minijob zu empfehlen.

Alternative Modelle zum derzeitigen Minijob schlagen u.a. vor:

  • Wegfall der starren 450-Euro-Grenze und sukzessive Besteuerung eines jeden Einkommens ab dem 1. Euro (vgl. DGB-Reformmodell)
  • Individualbesteuerung statt Ehegattensplitting (vgl. DIW Berlin Reform des Ehegattensplittings: Nur eine reine Individualbesteuerung erhöht die Erwerbsanreize deutlich
: https://www.diw.de)
Mit der Einführung des Mindestlohns sank Anfang 2015 die Zahl der Minijobs bundesweit um etwa 500.000. Seitdem stagnieren die Zahlen um 7,3 Millionen und sind zuletzt wieder geringfügig gestiegen, so dass lediglich von einer „Marktbereinigung“ ausgegangen werden kann.
Das heißt, die Unternehmen, die Minijobs nutzten, um Minilöhne zahlen zu können und arbeitsrechtliche Standard zu unterlaufen, wurden ausgebremst.

Das strukturelle Problem aber bleibt: Minijobs versprechen Flexibilität – und die geht noch immer zu Lasten der Beschäftigten. Viele berichten, dass sie weder Krankheit noch Urlaub angemessen bezahlt bekommen, trotz arbeitsrechtlich gesicherter Ansprüche.