Das sagen Arbeitgeber*innen

„In der Gastronomie sollte die Belastung durch Personalkosten gerade zu Beginn nicht zu hoch sein. Daher beschäftige ich Minijobberinnnen. Ich zahle mehr als Mindestlohn und biete einen attraktiven Arbeitsplatz, daher bleiben die meisten Studentinnen auch länger bei mir.“
Marti Morthorst, Café Happy Monkey, Münster
„Wir brauchen in unserer Branche eine größere Flexibilität. Mit Minijobs stoßen Sie an Grenzen. Sie beschäftigten die Leute für 450 Euro, aber mehr auch nicht. Wir sind mit Teilzeitstellen viel flexibler. Außerdem schaffen Sie mit sozialversicherungspflichtigen Stellen eine ganz andere Bindung an das Unternehmen, Minijobber sind immer deutlich unverbindlicher – sie leben den Aushilfsstatus, und zwar zu Lasten des Arbeitgebers.
Minijobs sind ungerecht. Und zwar für die Teilzeit- und Festangestellten. Die ersten 450 Euro bekommt ein Minijobber steuer- und sozialabgabenfrei, die Festangestellten nicht. Das sorgt in jedem Betrieb für eine Diskrepanz im Lohngefüge, eine Schieflage und immer wieder für Ärger.
Die Diskrepanz zwischen Minijobbern und Teilzeit- und Festangestellten muss dringend korrigiert werden. Dieses Thema muss der Gesetzgeber anpacken. Man könnte die ersten 500 Euro für alle Beschäftigten steuerfrei machen. Alles andere, der Verweis auf Steuerfreibeträge usw., ist viel zu abstrakt. Den Leuten geht es unmittelbar um das, was sie im Portemonnaie haben.“
Christian Lücke, Hotel Lücke, Rheine
„Im Buchhandel haben wir, anders als vielleicht in der Gastronomie, gleichbleibende Arbeitszeiten. Ich brauche jemand, der in den Verkaufshochzeiten vor den Sommerferien und Weihnachten Überstunden machen kann, die nach Weihnachten wieder „abgefeiert“ werden. Dazu sind Minijobs gänzlich ungeeignet.
Wir zahlen unseren Minijobber*innen immer schon – wie gesetzlich vorgeschrieben – sowohl im Krankheitsfall als auch bei Feiertagen ihr Gehalt weiter sowie den ihnen zustehenden Lohn im Urlaub. Im Einstellungsgespräch merken wir, dass dies nicht immer üblich ist.
Von den Frauen, die bei uns im Minijob gearbeitet haben, wollte keine ihren Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung aufstocken. Die jetzige Regelung der Rentenaufstockung scheint für die Frauen nicht attraktiv.“
Peter Seiler, Buchhandlung Schatzinsel
„Wir sind ein kleines Unternehmen in Münster, welches zehn Minijobberinnen beschäftigt. Dies sind Studentinnen und Frauen mittleren Alters, die zum großen Teil neben ihrem Studium oder versicherungspflichtigen Voll- oder Teilzeitjob arbeiten. Das bringt uns eine gewisse Flexibilität, denn wenn eine Person krank wird, können wir auf eine andere Person zurückgreifen, ohne dass wir ständig selber einspringen müssen. Für die Frauen ist es steuerlich von Vorteil.
Es ist aber von Nachteil, wenn eine Arbeitnehmerin mehr als die erlaubten Stunden arbeiten möchte. Eine unserer Mitarbeiterinnen würden wir gerne versicherungspflichtig einstellen, aber sie möchte es nicht, weil es sich für sie nicht lohnen würde, aufgrund der hohen Steuern, die sie abführen müsste. Für solche Fälle sollte es Lösungen geben, sowohl für die Arbeitnehmerinnen als auch für die Unternehmen.“
Dorothea Linnenbrink, Jalall D'or
„Ich versuche meine Mitarbeiterinnen immer dazu zu bewegen, dass sie auf Steuerkarte und nicht im Minijob arbeiten. Für mich als Arbeitgeberin ist so eine viel bessere Bindung an den Betrieb zu erzielen. Im Minijob bleiben die Frauen einfach in dem Gefühl, Aushilfe zu sein. Außerdem sind Minijobs für mich immer die teurere Variante.
Trotzdem erlebe ich oft, dass Frauen sich schwertun, vom Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln. Der Bruch durch die Steuerbelastung ist einfach enorm hoch. Wer mit 47 Stunden im Monat im Minijob 450 Euro verdient, hat bei 80 Stunden und dem gleichen Bruttostundensatz in der Steuerklasse V einen Nettoverdienst von etwa 550 Euro. Sie arbeiten fast doppelt so viel und haben 100 Euro mehr im Portemonnaie. Dass sich das für die Frauen langfristig trotzdem lohnt, weil sie viel flexibler aufstocken können und auch etwas für ihre Rente tun, ist nicht immer leicht zu kommunizieren.
Problematisch an den Minijobs ist aus meiner Sicht auch, dass die Frauen nicht eigenständig krankenversichert sind. Vor allem im Fall von Trennungen führt das oft zu großen Problemen, die Frauen sind oft nicht darauf vorbereitet, dass sie auch als Minijobberinnen ihre Krankenversicherung selbst zahlen müssen. Ich finde, jeder der arbeitet, sollte von der ersten Stunde ins System einzahlen und abgesichert sein.“
Sigrid Menke, Casa Mia, Agentur für haushaltsnahe Dienstleistungen
„Ohne eine Steuerdiskussion werden wir das Problem mit den Minijobs nicht lösen. Wenn in das System keine Gerechtigkeit kommt, dann wird es sich für die Frauen nicht lohnen, aus Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln.
Wir versuchen in unseren REWE-Märkten ganz gezielt, die guten Kräfte zu halten und zu qualifizieren. Dazu gehört auch, ihre Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umzuwandeln. Als Arbeitgeber setzen wir durch eine betriebliche Altersversorgung einen zusätzlichen Anreiz. Die Frauen finden das interessant, sie wollen sich weiterentwickeln, aber der Blick ins Portemonnaie hindert sie letztlich daran, diesen Schritt zu tun. Mit langfristig negativen Folgen für beide – den Betrieb und die Mitarbeiterin.“
Benjamin Haase, REWE oHG Hamm
„Ich bin kein absoluter Gegner von Minijobs, aber entschieden dagegen, dass Minijobs sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen ersetzen. In den SuperBioMärkten versuchen wir, wo immer es sinnvoll ist, Alternativen zum Minijob zu finden. Studierende beschäftigen wir grundsätzlich auf Steuerkarte, das ist aus Arbeitgebersicht deutlich günstiger.
Wir erleben Aushilfen mit nur 12 bis 15 Stunden in der Woche, die unbedingt einen Minijob wollen, um die für sie sehr hohe Lohnsteuer zu sparen. Aus meiner Sicht machen Minijobs daher oft nur in bestimmten Lebenssituationen Sinn.“
Michael Radau, Vorstand SuperBioMarkt AG, Vorsitzender des Handelsverbands Westfalen-Münsterland, Präsident des Handelsverbands NRW, Vizepräsident des HDE, Handelsverband Deutschland.
„Im Mövenpick Hotel spielen Minijobs eine sehr geringe Rolle. Wir bieten Minijobs nicht an, weil wir sie nicht haben möchten. Sie sind für die Unternehmen auch zu teuer wegen der Pauschalsteuer. In unserer Branche ist Qualität entscheidend – und die kann ich über Minijobs nicht sichern. Denn Qualität erfordert Zeit. Bei uns arbeiten Teilzeitkräfte (Studenten/qualifizierte Kräfte nach der Elternzeit) in der Regel mindestens 20 Stunden oder mehr. So gewinne ich Kontinuität und Qualität – aus Sicht des Unternehmens, der Mitarbeiterin und des Gastes. Das heißt: Eine intensive Einarbeitung lohnt sich erst mit längeren Einsatzzeiten, je mehr Zeit Mitarbeiter im Unternehmen verbringen, umso stärker kann auch die Anbindung sein. Und nicht zuletzt sollen die Gäste nicht dauernd neue Gesichter sehen.“
Angelina Wendt, Personalleiterin Mövenpick Hotel, Münster